Schnellkontakt: redaktion@warburg-news.de   -    Telefon: 0 173 - 19 25 674



Jobbörse Veranstaltungskalender Partnerzeitungen Sportkurve

20.07.2015 - 07:11 Uhr

Bandner-Wappler: „Kulturelle Bildung auch für ältere Menschen anbieten“

Kreis Höxter (r). Anregendes Netzwerktreffen im Orgelmuseum Borgentreich. Der Begriff „Kulturrollator“ sorgte zwar für Heiterkeit – doch das zustimmende Kopfnicken machte deutlich, dass die Vorschläge von Musik- und Kulturgeragogin Heike Bandner-Wappler aus Körbecke durchaus auf offene Ohren stießen. Sie setzte sich in ihrem Vortrag beim dritten Netzwerktreffen der Kulturakteure im Kreis Höxter für eine stärkere Beachtung der älteren Menschen bei der Kulturförderung ein.

Nachdem in 2014 bereits zwei Veranstaltungen dieser Art in Corvey sowie in Brakel durchgeführt wurden, hatte Julia Siebeck, Kulturmanagerin des Kreises Höxter, mit ihrem Team vom Kulturbüro diesmal ganz bewusst nach Borgentreich eingeladen. „Wir wollen die Netzwerktreffen auch dazu nutzen, um wichtige Kulturstätten im Kreisgebiet vorzustellen.“ Mit dem Orgelmuseum in Borgentreich hatte das Kulturbüro gleich einen Volltreffer gelandet. So mancher Gast gab zu, das erste Mal in der Orgelstadt zu sein. Und die Teilnahme sollte sich lohnen, denn die Veranstaltung begann in der St. Johannes Pfarrkirche. Dort steht mit der Barockorgel aus dem 17./18. Jahrhundert die größte und bedeutendste historische Orgel Westfalens, die wegen der nur noch selten anzutreffenden Technik der Springlade auch zu den hochberühmten Denkmalorgeln in Europa zählt.

Borgentreichs Bürgermeister Rainer Rauch begrüßte die Gäste und brachte seine Freude zum Ausdruck, dass die Vertreter der Kulturszene aus dem Kreis sich mit einem der herausragenden Kulturobjekte vertraut machen wollten. Die Details zu der eindrucksvollen Orgel erläuterte der Leiter des Orgelmuseums, Jörg Kraemer. Dieser ließ seinen Worten gleich Taten folgen, denn als Kantor der Kirchengemeinde weiß er dem einmaligen Instrument überwältigende Töne zu entlocken. Ohne Zweifel wäre mancher gerne noch länger in der Kirche sitzen geblieben und hätte seinem begeisternden Spiel gelauscht. Doch es ging bei dem Treffen ja um das gegenseitige Kennenlernen und den Gedankenaustausch, der dann gegenüber im Orgelmuseum gepflegt wurde.

Julia Siebeck gab dort zunächst einen kurzen Einblick in die Arbeit des Kulturbüros und informierte über aktuelle Projekte und Entwicklungen. Thematisiert wurde unter anderem der neu geschaffene Kulturbeirat für den Kreis Höxter, der noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen wird. Im Mittelpunkt des Abends stand aber der Vortrag von Heike Bandner-Wappler, die von verschiedenen Aktionen in ihrem Heimatort Körbecke berichtete. So mancher der rund 70 Teilnehmer wurde dabei sicherlich zur Nachahmung angeregt. Mit großem Interesse verfolgten alle ihre Schilderungen aus ihrem beruflichen Tätigkeitsfeld der Musikgeragogik. Dies ist eine Fachdisziplin im Schnittfeld von Musikpädagogik und Geragogik, die sich mit musikbezogenen Vermittlungs- und Aneignungsprozessen sowie musikalischer Bildung im Alter beschäftigt.

Aufgrund der Zielgruppe – Menschen bis ins hohe Alter – ergeben sich besondere didaktisch-methodische Anforderungen, die das Forschungs-, Ausbildungs- und Praxisfeld der Musikgeragogik von der bekannten Musikpädagogik unterscheidet. Gerade auch in der Arbeit mit Demenzkranken zeige sich das Potential der Musik, erläuterte Bandner-Wappler: „Musik ist der Königsweg, um demenzkranke Menschen zu erreichen! Musizieren wirkt angstlösend und regt die Kommunikation an.“ Aber auch mit der Kulturgeragogik könne man eine Menge erreichen, sie umfasse alle Sparten der Kunst und Kultur. Beispielhaft nannte sie Literatur, bildende Kunst, Gestaltung, Theater, eine Schreibwerkstatt, Biografiearbeit bis hin zur Beschäftigung mit den neuen Medien. „Wichtig ist auch das Angebot einer Kulturbegleitung zu Museen, ins Theater oder zu Konzertveranstaltungen, wo die älteren Menschen alleine nicht mehr hinkämen.“

Klare Worte fand sie auch für die Teilnehmer des Netzwerktreffens: „Kulturschaffende müssen sich mit allen Generationen sparten- und generationsübergreifend auseinandersetzen. Dies umso mehr aufgrund der demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft, ganz besonders in unserer Region.“ Mit einem Augenzwinkern schlug sie deshalb in Anlehnung an das erfolgreiche Landesprogramm „Kulturrucksack“, welches die Kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen fördert, den „Kulturrollator“ für Ältere vor, mit dem Projekte für Menschen im Seniorenalter und auch generationenübergreifende Projekte gefördert werden könnten. Ein Aspekt war ihr dabei ganz wichtig und dazu zitierte sie aus dem Artikel 15 der UN-Menschenrechtscharta: Die Vertragsstaaten erkennen das Recht eines jeden an, am kulturellen Leben teilzunehmen. Sie habe oft den Eindruck, dass ältere Menschen nicht angemessen berücksichtigt werden. „Wir wollen nicht vergessen: Senioren sind auch Erwachsene!“

Im Anschluss an den Vortrag nutzten die anwesenden Kulturakteure die Gelegenheit zur Diskussion und zum intensiven Austausch miteinander in Hinblick auf das Entwickeln von Kooperationsansätzen.

Foto: Kreis Höxter

Bandner-Wappler: „Kulturelle Bildung auch für ältere Menschen anbieten“ - Auf Twitter teilen.
Anzeige

TOP 5: Die meistgelesenen Nachrichten der Woche

1. Gesellschaft Mittwoch, 19.04 Überfall in Tankstelle: Räuber bedrohen Kassiererin ...
2. Gesellschaft Samstag, 22.04 Neuer Busbahnhof in Warburg eröffnet ...
3. Gesellschaft Donnerstag, 20.04 Verkehrsunfall mit einer verletzten Person – 8000 ...
4. Gesellschaft Dienstag, 18.04 Sieg und Aufstieg für Amelie Pohl und Henry ...
5. Gesellschaft Montag, 17.04 Ein Ort des Respekts, des Vertrauens und der ...
 
ANZEIGE

Region Aktiv

Unser Nachrichten-Netzwerk
Brakel News Einbeck News Holzminden News
Höxter News Immobilien aus der Region Meine Fankurve
Northeim News Sportkurve Höxter Warburg News
Weser-Ith News